77

An dieser Stelle, auf einem Plateau oberhalb der Gironde, standen vom 1. bis 5.

Jahrhundert nacheinander drei gallorömische Villen, prachtvolle Häuser, bewohnt von extrem reichen Grundbesitzern und Hunderten von Bediensteten. Auf einer Fläche von 5 000 Quadratmetern zeugen Überreste und ein Museum vom Alltag und vom Überfluss dieser Zeit.

Auf den Spuren der Römer

Wir beginnen unsere Besichtigung mit der digitalen 3D-Nachbildung der Villa aus dem 2. Jahrhundert.

Diese virtuelle Tour ist ideal, um sich der Größe des Anwesens bewusst zu werden, und bietet zudem die Möglichkeit, die Wandmalereien und Mosaiken zu bewundern, so wie sie vor über 1 500 Jahren ausgesehen haben.

Der Rest des Museums ist in einem Nebengebäude des ehemaligen Pfarrhauses untergebracht und präsentiert eine Kollektion von Ausgrabungsobjekten. Im Erdgeschoss sind Nachbildungen von Wandmalereien zu bewundern: Die verbliebenen Teile wurden auf einen Kanevas aufgebracht, sodass man sich auch ohne eine künstliche Vervollständigung eine Vorstellung des Originalwerkes machen kann. So sind auf einem Stück Mauer ein Reh über einem Kandelaber oder der Kopf eines wütenden Gottes zu erkennen.

Villae gallo-romaines de Plassac
Mosaïques étonnamment bien conservées de la villa gallo-romaine de Plassac.

Die erstaunlich gut erhaltenen Mosaiken wurden auf gleiche Art und Weise behandelt. Ein Video erklärt, wie ganze Bodenflächen abgenommen, gereinigt und anschließend auf einem neuen Untergrund befestigt werden können, bevor man sie wieder an ihrem ursprünglichen Platz verlegt oder ausstellt.

Die Mosaiken der Villa, die sich im Laufe der Jahrhunderte stark gelöst hatten, waren ganz besonders leicht abzunehmen: Die Spezialisten konnten einen beträchtlichen Teil der größten Freske direkt aufrollen und mitnehmen!

Im Obergeschoss präsentieren zehn Vitrinen Fragmente des täglichen Lebens der Villenbewohner. Amphoren, Münzen, Ziegel, Keramiken und Bronzestatuen spiegeln den Reichtum der Eigentümer wider. Ein Schild, das die beiden Systeme für die Bodenheizung des Palastes erklärt, überzeugt uns schließlich vollends: Diese Villa ist ein architektonisches Meisterwerk.

Unsere Führerin, eine ehrenamtliche Mitarbeiterin der Association des Amis du Vieux Plassac, lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Bedeutung des Wortes Villa. Im Gegensatz zur heute vorherrschenden Vorstellung waren die gallorömischen Villen nicht nur prunkvolle Häuser, sondern große Landwirtschaftsbetriebe reicher Grundbesitzer.

Überreste von Mauern an der archäologischen Ausgrabungsstätte zeigen den Umriss des Gebäudes und das Ausmaß des Anwesens.

Zwischen Natur und Luxus

Beim ersten Blick auf die Stätte ist man zunächst einmal erstaunt über ihre Größe. Die Aussicht auf die Mündung ist fantastisch und dank der virtuellen Besichtigung können wir uns ein gutes Bild davon machen, wie die Villa zu ihrer Blütezeit aussah.

Auch wenn leicht verständlich ist, warum die Gallorömer diesen Ort für ihr Meisterwerk auswählten, so ist es weitaus schwieriger, sich den Prunk der Zierteiche und der blumengeschmückten Innenhöfe vorzustellen.

Schaut man jedoch näher hin, kann man nicht umhin, die fantastische Erhaltungsarbeit und die Qualität der zu Tage gebrachten Überreste zu würdigen. Unter einer überdachten Plattform, die die Werke nicht nur schützt, sondern dem Besucher gleichzeitig einen einzigartigen Blick auf ihre schönen geometrischen Motive gewährt, sind über 100 Quadratmeter Mosaiken zu sehen. Hier und da zeugen Leitungen aus Ziegeln oder weißem Stein in der Nähe der Mauerreste von der Allgegenwärtigkeit der berühmten Heizsysteme. Und die rund um die Villa verlaufenden kleinen Kanäle zeigen, mit wie viel Sorgfalt und Geschick Pflanzen, luxuriöse Elemente und Wasser zu Dekorationszwecken miteinander kombiniert wurden.

Der Ausblick am Ende des Anwesens ist auch heute noch wunderschön und trotz der Häuser, die seitdem auf diesem von den Römern angelegten, grasbewachsenen Plateau gebaut wurden, praktisch unbehindert. Immer wieder zeigt die Führerin uns eine Skizze der Villa aus dem 2. Jahrhundert, derjenigen der drei nacheinander an dieser Stelle erbauten Häuser, von der es die meisten Spuren gibt.

Villae gallo-romaines de Plassac
La villa et l’estuaire au coucher du soleil

Auf diese Weise können wir die Verbindung zur 3D-Besichtigung herstellen und uns die 5 000 Quadratmeter Gärten, Mosaiken, Teiche, Peristyle und Empfangssäle unter unseren Füßen vorstellen. Bevor wir den Ort verlassen, erklärt uns unsere Führerin, dass ein weiterer Teil der Villa unter der Kirche und unter Privatgrundstücken verborgen liegt.

Wie viele große Entdeckungen ist auch diese einem Zufall zu verdanken. Ein Winzer, der sich über die Mosaiksteinchen wunderte, die bei seinen Bodenarbeiten im Weinberg zum Vorschein kamen, war bereit, seine Reben auszureißen, um Ausgrabungsarbeiten zu ermöglichen. So wurden die Ruinen der Villa zutage gefördert, deren Existenz bereits in Unterlagen aus dem 7. Jahrhundert dokumentiert war.

Abschließend kann man sagen, dass uns die Kombination aus virtueller Besichtigung und Besichtigung der Ausgrabungsstätte sowohl eine Vorstellung der Villa, wie sie zur Zeit der Römer aussah, als auch einen Einblick in die seit den 1970er-Jahren durchgeführten Arbeiten zur Erhaltung der Überreste vermittelt hat. Die Gestaltung der Stätte mit offener Sicht und Überdachungen nur dort, wo Schutz notwendig ist, betont die Schönheit des Ortes, während die intelligente Architektur, die die Dimensionen der ursprünglichen Villa verdeutlicht, eine sehr schöne Gesamtansicht der Stätte ermöglicht. Und zu guter Letzt bietet der Eingang ein wenig oberhalb des Geländes einen Panoramablick auf den Verlauf der Mauern und auf die Mündung, und lässt erkennen, welch ein Symbol für Reichtum und Macht die Villa zur damaligen Zeit gewesen sein muss.

Praktische Infos:

Besucher: Von April bis September

  • April und September: täglich (außer sonntagvormittags) von 10.00 bis 12.30 Uhr und von 14.00 bis 17.30 Uhr
  • Mai, Juni, Juli, August: täglich von 10.00 bis 12.30 Uhr und von 14.00 bis 18.30 Uhr

Das restliche Jahr nach Voranmeldung beim Musée des Amis du Vieux Plassac: +33 (0)5 57 42 84 80

Preise: Normalpreis: 4 Euro – Ermäßigter Preis: 2 Euro – Letzte Besichtigung 45 Minuten vor Schließung.