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Mit ihren Höhlenhäusern, Châteaus, Weinbergen und steilen Felsen ist die Route de la Corniche, die Küstenstraße entlang der Gironde, eine echte Panoramaroute und kommt einer Zeitreise gleich.

Natürlicher Charme

Route de la corniche
Charme sauvage

Fährt man von Blaye aus in Richtung Plassac, erreicht man sie schnell, die Route de la Corniche, die sich an der Gironde entlangschlängelt und eine beeindruckende Aussicht auf die Mündung gewährt.

Eingezwängt zwischen steilen Felsen, die sie auf der einen Seite überragen und auf der anderen stützen, bietet sie dem Reisenden eine Landschaft, wie sie idyllischer kaum sein könnte. Herrliche Landschaften, reizende Häuser und wahre Farbexplosionen ziehen das Auge des Fahrers in ihren Bann. Auf der einen Seite der Blick auf das Bec d’Ambès und die Inseln, gespickt mit zahlreichen Informationstafeln und Aussichtspunkten, die die Schönheit der Landschaft bestmöglich zur Geltung bringen, und rundherum hügelige Natur und reizende kleine Ortschaften mit Häusern, von denen eines schöner ist als das andere.

Angesichts der Vielfalt an Landschaften und Sehenswürdigkeiten erscheint es unmöglich, den schönsten Straßenabschnitt zu bestimmen. Überall lassen sich carrelets, an der Mündung stehende Fischerhütten auf Pfählen, Fischerhäuser sowie sich an die Kalkfelsen schmiegende Höhlenhäuser aus dem 15. und 17. Jahrhundert bewundern. Gleichzeitig laden hinter jeder Kurve Schilder ein zu Château- und Weingutsbesichtigungen: Der Übergang von den Côtes de Blaye zu den Côtes de Bourg erfolgt ganz natürlich und fast unbemerkt.

Ein Auge auf die Geschichte, das andere auf die Straße

Plötzlich fällt die Straße steil ab und zwingt mich, die Augen von der Umgebung abzuwenden und mich ganz aufs Fahren zu konzentrieren. Während ich mich dem Niveau der Mündung nähere, tauchen Wanderwege und Mountainbike-Trails auf, die sportlichen Besuchern die Möglichkeit bieten, die Gegend unmotorisiert zu erkunden.

Wer diese Straße mit dem Fahrrad entdeckt, kann die Aussicht sicherlich besser genießen, denn aufgrund der Kurven und fehlenden Leitplanken muss man als Autofahrer unentwegt den Straßenverlauf im Auge behalten. Zum Glück gibt es in regelmäßigen Abständen Aussichtspunkte, an denen man parken und die Landschaft bewundern kann.

Ich halte an demjenigen gegenüber dem Bec d’Ambès in der Nähe von Château Tayac an und genieße den Ausblick auf die Mündung. Eine Orientierungstafel gibt Informationen über die lokale Geschichte, das Kulturerbe und die umliegende Natur. Hinter mir erstrecken sich Weinberge, so weit das Auge reicht, während Türme am Wegesrand an das Mittelalter erinnern.

Zwischen Modernität und Märchenwelt

Ich fahre weiter. Schon bald versteckt sich die Mündung hinter kleinen Blumengärten am Fuße der Felsen. Oleander, Palmen und Bananenbäume gedeihen hier und verleihen den umliegenden Häusern zusätzlichen Charme. Meine Aufmerksamkeit richtet sich auf seltsame Formen, die durch das Laub hindurch zu erkennen sind. Kreaturen aus Metall scheinen mitten auf einer kleinen Wiese herumzutoben.

Es sieht so aus, als hätten sie etwas mit den Skulpturen aus Treibholz zu tun, die ich am Ufer des Wassers gesehen habe. Das Rätsel ist schnell gelöst: Angesichts meiner Verwunderung erklärt mir ein Einwohner von Roque de Thau, dass diese Viecher zur Ausstellung „Les Revenants“ (Die Rückkehrer) gehören, die die Werke von zwölf Künstlern in elf Gemeinden des Departements inszeniert.

Eine tolle Initiative, die eindeutig zum zauberhaften Ambiente des Ortes beiträgt. Diese bezaubernde Stimmung begleitet mich noch einige Minuten lang, bis die Straße plötzlich steil nach oben ins Landesinnere führt und wieder Platz macht für Weinlandschaften und nicht weniger schöne traditionelle Bauten.

Bei der Ankunft in Bourg-en-Gironde nähere ich mich noch einmal der Mündung. Dieses alte Dorf ähnelt Blaye in vieler Hinsicht: Es liegt gleichsam auf einem Felsen, begeistert ebenfalls mit historischem Charme und bietet eine nicht minder eindrucksvolle Aussicht.

Ein historisch geprägter Ort

Route de la corniche
Maison mauresque de Bourg-en-Gironde

Wer durch den Ort bummeln möchte, sollte lieber fit sein: Mehr als 500 Treppenstufen verbinden die Ober- mit der Unterstadt. Auf meiner Tour durch die mittelalterlichen Straßen und Gassen stoße ich unentwegt auf Anachronismen. Vom Hafen aus ist eine überraschende maurische Villa mit Blick auf die Dordogne zu sehen, die von einem ehemaligen Kolonialbeamten erbaut wurde.

Ein wenig weiter kann man das Wrack der Frisco erkennen. Dieses italienische Schiff, das 1944 von den Deutschen versenkt wurde, schaut selbst bei Flut aus dem Wasser heraus und ist so etwas wie eine lokale Version von Nessie, dem Ungeheuer von Loch Ness. Über die Steintreppe, die vom Château de la Citadelle hinabführt, erreiche ich einen schönen Park am Ufer des Wasser, der mit seinem Teich und seiner kleinen Insel einen idealen Picknickort darstellt.

Die Panoramaroute

Über die Route de la Corniche, die Küstenstraße, ist es ein wenig weiter, um zu den umliegenden Dörfern zu gelangen. Dafür bietet sie aber einen atemberaubenden Ausblick auf die Gironde und einen Überblick über die verschiedenen hier anzutreffenden Architekturstile.

Die einzige Schwierigkeit liegt darin, sein Fahrzeug zu steuern, während man die Umgebung bewundert. Es hindert einen jedoch nichts daran, langsamer zu fahren, um die Sehenswürdigkeiten und den Reiz der Landschaft zu genießen. Und wer es nicht eilig hat, kann die Aussichtspunkte und Wanderwege nutzen, um die Beschaffenheit des Geländes und die schönen Anwesen genauer unter die Lupe zu nehmen!

Es gibt zahlreiche Rastmöglichkeiten in zauberhafter Umgebung und die Abwechslung zwischen schroffen Felsen und endlosen Weinbergen macht aus diesen paar Kilometern eine echte Reise durch die Zeit. Auch wenn sie die Fahrt zwischen Blaye und Bourg um ein paar Minuten verlängert, ist die Route de la Corniche wirklich sehenswert und bestätigt das Sprichwort, dass der Weg das Ziel ist.